Frau Buono

- - Seelenmädchen

Erinnert ihr euch an meinen Artikel „Mein Name ist Eugen“? Es ging um junge Russlanddeutsche, die ihren Namen opfern mussten. Der Integration zuliebe. Und darum, wie sehr der Verlust des Namens sich auf die Entwicklung einer eigenen Identität auswirkt. Seit vorvergangenem Samstag kann ich diesen Identitätsverlust teilweise nachvollziehen. Aus Frau Toomeh wurde Frau Buono.

Dass ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche, ist klar. Mich hat keiner gezwungen. Im Gegenteil. Der Mann hätte es verstanden, wenn ich meinen Namen behalten hätte. Weil ich ihn 33 Jahre getragen habe. Weil er mich mit meinen Wurzeln verbindet. Weil ich mir unter diesem Namen etwas aufgebaut habe. Ein Leben. Und eine Karriere. Das nimmt mir keiner weg? Vor zehn Jahren hätte ich vielleicht zugestimmt. In unserer digitalisierten Welt stimmt das nicht mehr so ganz. Wenn ich meinen alten Namen google, finde ich viele Projekte, an denen ich beteiligt war. Ich finde Preise, die mir verliehen wurden. Abschlussarbeiten. Blogartikel. Gedöns. Wenn ich meinen neuen Namen google, finde ich: fast nichts. Jedenfalls nichts, was mit mir zu tun hätte. Das hätte ich vorher wissen können? Wusste ich. Ich hab mich dennoch dafür entschieden. Und ich würde es jederzeit wieder tun. Trotzdem darf es sich erst einmal komisch anfühlen, wieder so etwas wie eine weiße Leinwand zu sein.

„Aber hey, du bist doch immer noch dieselbe.“ Nein. Bin ich nicht. Ich habe eine neue, einschneidende Erfahrung gemacht. Das verändert mich vielleicht nicht von Grund auf. Aber es verändert mich. Und es verändert, wie die Menschen mich wahrnehmen. Meinen alten Namen konnte keiner zuordnen. Skandinavisch? Französisch? Vielleicht griechisch? Nein. Nein. Und jein. Eigentlich arabisch. In der griechischen Version. Bis das geklärt war, war der erste Eindruck längst gebildet. Eine Tatsache, die ich mochte. Mein neuer Name steckt mich erst einmal in eine Schublade. Buono? Ahhhh, si, italiano! Das mag gut sein, wenn die Menschen zuerst an Dolce Vita denken. Das mag schlecht sein, wenn ihnen zuerst Berlusconi und Mussolini in den Sinn kommen. Auf jeden Fall setzt das eine Assoziationskette in Gang, aus der ich mich erst einmal wieder herauswinden muss. Also doch keine weiße Leinwand. Sondern eine mit grün-roten Klecksen.

Letztlich war mir die ganze Zeit schmerzlich bewusst, dass ich ein Stück meiner Identität verlieren würde. Aber eben auch, dass ich ein ganz neues Stück hinzugewinnen würde. Ich bin jemand, der Veränderungen mag. Der glaubt, dass jede Erfahrung ein Stück weiser macht. Und der weiß, dass er nicht hinter dieser weißen Leinwand verschwinden, sondern ein ganz neues Kunstwerk daraus basteln wird. Jemand, der den Namenswechsel als Geschenk betrachtet. An ihn. Aber auch an mich. Weil unsere Zusammengehörigkeit ein Teil dieses neuen Kunstwerkes sein wird. Vermutlich nicht der, der in den grellsten Farben leuchtet. Eher der, der mit seinen grün-weiß-roten Klecksen die Grundierung für so vieles andere bildet.

Hallo, ich bin Frau Buono. Hab ich schon gesagt, dass sich das noch ziemlich seltsam anfühlt?

Die Eleganz des Maulwurfhügels

- - Seelenmädchen

Der Mann und ich stehen im Bad. Ich habe das Glätteeisen in der Hand und erzähle von einem Problem. Es ist nur ein kleines, aber es ist immerhin vorhanden. Keine Reaktion. Ich drehe mich um. Es sieht so aus, als würde der Mann nur aus dem Fenster schauen, aber er ist beschäftigt. Er kann wiederholen, was ich gesagt habe, aber eigentlich ist er gedanklich dabei, die Fortsetzung von „Mein Kampf“ zu konzipieren. Oder einfacher ausgedrückt: Er zählt Maulwurfshügel und flucht vor sich hin. Innerlich. Aber ich kann es sehen. Ich zwänge mich zwischen Hitler und Hexenflüche: „Weißt du, was ich gestern gelesen habe, Freund?“ Er antwortet – erwartungsgemäß: „Was denn?“ „Dass Maulwürfe mit ein paar wenigen Hügeln zufrieden sind. Und nur dann neu graben, wenn man sie irritiert. Was man auch daran sieht, dass sie nur rund um deine Maulwurfvertreibungströten neue Hügel gebaut haben.“ Der Mann gibt mir – nicht erwartungsgemäß – Recht. Also quasi. „Ja, steht ja auch in der Anleitung, dass in Phase 1 erstmal mehr Hügel gegraben werden. Ist ja auch klar. Das ist, wie wenn irgendwo im Haus eine alte Stinkesocke versteckt ist. Auf der Suche danach nähert man sich ja auch erstmal der Quelle. Und wenn man sie nicht findet, ergreift man irgendwann die Flucht.“ Ich denke daran, dass wir mal wieder Kochwäsche waschen sollten und sage: „Aha. Na dann läute doch einfach mal Phase 2 ein.“ Der Mann antwortet: „Geht ja nicht, dafür brauche ich ja noch viel mehr von diesen Dingern.“ Obviously. Ich beschließe, meine Taktik zu ändern. Auch ich kann „Mein Kampf“, MahatmaGandhi-Style: „Oder du nervst ihn einfach nicht weiter, er gibt sich mit vier bis fünf Hügeln zufrieden und wir leben in friedlicher Koexistenz.“ Der Mann zeigt mir mehr oder weniger deutlich, dass er für meinen philosophischen Ansatz nicht viel übrig hat: „Sieht doch scheiße aus.“ Ich begreife das als Aufforderung, noch ein bisschen philosophischer zu werden: „Wer hat definiert, dass eine Rasenfläche nur ohne Hügel schön ist? Wir müssen doch nicht alles in die künstlich erzeugte Ordnungsästhetik der Menschheit zwingen.“ Der Mann guckt mich an. „Stellst du dich gerade auf die Seite des Maulwurfs?“ Bei Shakespeare würde an dieser Stelle stehen: Dramatischer Abgang. Eigentlich verzieht der Mann nur die Mundwinkel und macht die Tür hinter sich zu. Ich ziehe meinen Lidstrich und denke drüber nach, dass die ganze Welt verliebt ist in Polkadots. Und wenn dieser kleine Kerl sie uns in den Garten gräbt, wollen wir ihn vertreiben.

Mittlerweile stehen wir an der Bushaltestelle. Ich fauche den Mann an. Also fauchen im Sinne von fauchen. Der Mann sagt: „Geh weg, du fieser Marder.“ Ich sage: „Nein, ich muss meinen Freund, den Maulwurf, beschützen.“ Dramatischer Abgang. Diesmal in den Bus.

Ich setze mich an den Schreibtisch, trinke meinen B-Ware-Smoothie aus zu krummen Gurken und zu großen Karotten, die nicht in die EU-Norm passen, und denke noch ein bisschen über den Ordnungs- und Regelwahn der Menschheit nach, während ich eine Artenschutzkampagne für den Erhalt von Maulwurfswohnraum entwerfe. Eigentlich ging es um Otter. Jetzt nicht mehr.

Stadt, Land, Spießerin

- - Seelenmädchen

Ich liege im Bett, vielleicht weil ich müde bin, vielleicht aber auch, weil es der einzige wirklich warme Ort im Haus ist. Im Flur stapeln sich noch die Umzugskartons und mir steigt das Hartwachsöl in die Nase, das wir in drei Schichten auf die alten Dielen gepinselt haben. Das war im Jahr 2015. Anno dazumal. Es, das neue Jahr, ist gerade mal zwei Wochen alt. Was eigentlich ein – mal plärrender, mal friedlich vor sich hinsabbernder – kleiner Säugling sein sollte, gebärdet sich wie ein alter Mann, mit Rückenschmerzen und Gehstock. So viel hat es schon erlebt. Zumindest in meiner Version.

Ich warte auf den Mann. Oder vielleicht habe ich auch einfach gerade nichts zu tun, was das Warten irgendwie als vorherrschende Tätigkeit erscheinen lässt. Der Mann arbeitet noch und ich bin froh, dass das Auto irgendwo in Altona herumsteht und mit mir auf ihn wartet. Während es wartet, beherbergt es vier Kisten – also vier Umzugskartons – voller Pfandgut. Wir könnten es verschenken, also das Pfandgut. Wir könnten es aber auch zurückbringen und wüssten endlich, wie wir unseren Dachausbau finanzieren sollen. Wir haben es heute Morgen aus der Wohnung geschleppt, kurz bevor wir sie, also die Wohnung, an eine ziemlich unsympathische Hausverwalterin übergeben haben, die sie aber gleich an ziemlich sympathische Nachmieter weiterübergeben hat. Zum Glück, für die Wohnung.

Eine halbe Stunde nach der Pfandgutschlepperei hetze ich ein paar Minuten zu spät, aber immerhin fast pünktlich, in das Büro meiner Kollegin. Sie holt Luft und ich erwarte, dass sie eine Entschuldigung erwartet, da fragt sie mich: “Bist du jetzt traurig?” Meine Hirnsynapsen beginnen, um sich selbst zu rotieren. Ich frage mich, ob wieder irgendwelche syrischen Flüchtlinge für irgendetwas verantwortlich gemacht wurden, was sie wahrscheinlich gar nicht getan haben. Die Betonung liegt hier auf ‘sie’. Oder ob in meiner Abwesenheit meine fein säuberlich ausgearbeiteten Ideen abgeschossen wurden, weil ich das Briefing doch irgendwie falsch verstanden habe und ich mich also noch bei den Kollegen entschuldigen sollte, denen ich gestern noch erzählt hatte, dass sie es falsch verstanden hätten. Kann mir noch jemand folgen? Oder ob ich vielleicht einen engeren Bezug zu Alan Rickmann hätte haben sollen, als ich ihn tatsächlich hatte. Ich habe gerade Rick Altmann gegoogelt. Ich glaube, das sagt alles. Ich beschließe, dass ich das alles irgendwie als unlogisch empfinde und starre meine Kollegin ein bisschen rat- und ein bisschen planlos an. Sie lächelt: “Bist du traurig wegen der Wohnung?!” Erst jetzt macht es klick und klack und klingeling und vor allem macht es klick und klack und klingeling, weil ich plötzlich merke: Nein, bin ich nicht. Der Horst in mir schweigt, weil er anscheinend kapiert hat, dass die kleine Spießerin in mir die richtige Entscheidung für sich getroffen hat.

Ich höre, wie der Mann das Auto im Hof abstellt und robbe ans Fenster. Es ist ziemlich dunkel und ziemlich kalt da draußen und ich ziehe die Decke ein wenig fester um mich. Jetzt höre ich nicht mehr das Auto, sondern doch wieder Horst – der leise in sich reinkichert. Weil die Spießerin in mir nicht spießig genug für einen gut gedämmten Neubau war. Aber sie, die Spießerin, hört Horst nicht mehr kichern, weil sie sich vom Glucksen der Heizungsrohre und vom Knarzen der Dielen in den Schlaf hinübertragen lässt und sich darüber freut, dass Vergangenheit und Gegenwart sich in ihrem Häuschen ‘Gute Nacht’ sagen.

Das Zeitgefühl der Liebenden

- - Seelenmädchen

2 Jahre und 7 Monate. In Tinder-Sex-Date-Zeiten eine ziemlich gute Leistung. In Um-die-nächste-Ecke-wartet-was-Besseres-Zeiten auch. Und gemessen daran, dass es die bisher längste Beziehung ist, sowieso. Das ist schön und ich freue mich und denke trotzdem manchmal: “Hm, echt? Das ist doch viel zu kurz.” Dann sitze ich da, in diesen Haltet-die-Zeit-an-ich-will-auf-ewig-jung-und-hübsch-bleiben-Zeiten, und suche nach dem kleinen Rädchen, an dem ich drehen kann, damit sie schneller verfliegt. Damit ich gucken kann, wie sich diese Liebe in fünf und in fünfzehn Jahren anfühlt. Und weil ich gespannt bin, wann der Punkt kommt, an dem die vergangene Zeit und die gesammelte Liebe sich deckungsgleich verhalten.

Ich frage die Freundinnen, ob sie dieses Gefühl auch kennen und sie sagen: “Jap, kennen wir” und ich weiß, dass ich nicht die einzige Liebende mit einem seltsamen Zeitgefühl bin. Das ist schön und ich freue mich und denke trotzdem manchmal: “Hm, ok. Und woran liegt das jetzt, dass sich Zeit und Herz nicht einig sind?” Dann kriege ich einen esoterischen Anfall und erkläre es damit, dass unsere Herzen vielleicht schon viel länger wussten, dass sie sich lieben, als wir.

Mein Herz sitzt da, in meiner Brust, und es lässt die Füße vom obersten Rippenbogen baumeln und es strahlt und nickt eifrig, weil sich diese Theorie so richtig anfühlt. Dann spaziert der große, dicke Kopf vorbei und sagt dem Herzen, dass es ein Stück rücken soll, und das Herz rutscht zur Seite, damit der Kopf auch noch ein bisschen Platz hat auf dem Rippenbogen. Der große, dicke Kopf setzt sich und lässt auch die Füße baumeln und sagt: “Weißt du, Herz, vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass wir in diesen Schneller-schneller-das-muss-doch-effizienter-gehen-Zeiten leben, und du machst einfach nicht mit. Du sitzt hier, lässt die Beine baumeln, pfeifst gemächlich vor dich hin, während die Liebe wächst. Aber eben jeden Tag nur ein paar Millimeter. Und an manchen Tagen vielleicht auch gar nicht.” Während das kleine Herz noch verdutzt guckt und mit Grübelfalten auf der Stirn über seine Worte nachdenkt, rappelt sich der große, dicke Kopf auch schon wieder auf: “Ich muss weiter. Aber lass dir eins von einem gestressten, alten Mann gesagt sein: Du machst es genau richtig.” Er zieht den Hut, nickt anerkennend und eilt seiner Wege.

Und ich? Ich sitze da, auf meinem Säckchen voller Liebe, lasse die Füße baumeln und strahle und nicke eifrig, weil es sich so richtig anfühlt. Und weil ich verstanden habe, dass Liebe einfach immer ein Gefühl von Ewigkeit erzeugt.

Erst tanzen, dann kündigen – Ein Pamphlet gegen die Flucht im Kleinen

- - Seelenmädchen

Philosophen, Dichter und Neurologen haben die letzten 2000 Jahre nach dem Glück gesucht. Und Hector natürlich. Mal mehr, mal weniger. Die einen etwas früher, die anderen etwas später. Metaebenen, Metaphern und MRT. Dabei ist es doch ganz einfach. Alles, was wir tun müssen, ist: kündigen. Achso, und dann müssen wir natürlich noch unser Geld mit dem verdienen, was uns wirklich glücklich macht. Aber egal, erstmal kündigen. Der Rest kommt dann schon von selber. Und fürs Kündigen braucht man gar nicht viel. Außer ein bisschen Mut.

Ich habe in den letzten 2,5 Jahren dreimal gekündigt. Länger als eine Woche hat die Endorphinausschüttung nie angehalten. Dabei habe ich aber wahrscheinlich auch einen ganz entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe hinterher nicht das gemacht, was mich wirklich glücklich macht. Weder bin ich Dawanda-Strickliesl geworden, noch habe ich filigranen Goldschmuck entworfen. Ich habe mir keinen Foodtruck gekauft, bin kein Instagram-Fashionstar geworden und ich habe auch kein Yogaloft mit veganem Bistro gegründet. Ergo: selber schuld. Oder?

Bitte entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, aber die Fluchtmentalität, die mir zurzeit tagtäglich in die Timeline gespült wird, geht mir gehörig auf den Sack. Der Job macht nicht glücklich? Weg damit! Der Mann macht nicht glücklich? Weg damit! Oder am besten gleich ganz raus aus der engen deutschen Spießbürgerlichkeit und ab in den Flieger. Mindestens für ein Sabbatical, wenn schon nicht für immer. Schließlich macht das Wetter hier auch ganz schön depressiv.

Ja, ich glaube, dass wir etwas ändern sollten, wenn uns die Jobsituation nicht glücklich macht. Ich glaube aber auch, dass es nicht die Aufgabe eines Jobs ist, uns glücklich zu machen. Wichtig ist, dass wir die Rahmenbedingungen so verändern können, dass sie zu uns, unserer Arbeitsweise und unseren Talenten passen. Das setzt aber eines voraus: dass wir wissen, unter welchen Bedingungen wir überhaupt glücklich wären. Und das wiederum setzt voraus, dass wir uns kennen. Besser kennen, als es die meisten von uns tun.

Erst wenn wir wissen, was wir wirklich brauchen, ist es an der Zeit, eine Veränderung anzustoßen. Dann können wir unserem Chef die Kündigung auf den Tisch legen. Wir können ihm aber auch einfach sagen, was wir herausgefunden haben. Warum das hier alles nicht für uns funktioniert. Was sich ändern müsste, damit es vielleicht doch irgendwann funktioniert. Für uns. Mit uns. Das verlangt Mut und Durchhaltevermögen. Und es gibt keine Erfolgsgarantie. Die gibt es für den Dawanda-Strickshop aber auch nicht. Letztlich bleibt doch die Frage: Wenn wir alle kündigen, wer kauft dann noch die handgeklöppelten Eierwärmer?

Sicher, das ist überspitzt ausgedrückt und mit einer Prise Ironie versehen. Jeder sollte das Recht haben, an seinem eigenen Glück zu basteln. Sein Ding zu suchen und zu finden. Ich glaube auch: Wenn man etwas mit viel Leidenschaft und Liebe macht, wird man immer genug Menschen finden, die genau diesen Weg unterstützen. Selbst wenn wir ihn in einem Foodtruck zurücklegen. Aber während wir in unseren oldschool F*Burger beißen, sollten wir die Realität nicht komplett aus den Augen verlieren. Unserer Wirtschaft geht es gut und unserem Nachbarn mit dem umgebauten Bulli auch. Dass sich unser Wirtschaftssystem ändern muss und nicht ewig auf höher, schneller, weiter ausgelegt bleiben kann, steht außer Frage. Aber wenn wir alle unsere Flucht im Kleinen vollziehen, ist keiner mehr da, der das große Ganze von innen heraus verändern kann. Manchmal muss man bleiben und den Finger in die Wunde legen. Lernen, den Mund aufzumachen. Die Dinge zu benennen, die falsch laufen. Nicht kündigen. Sondern einen alternativen Lösungsweg vorlegen. Und konsequent Überzeugungsarbeit leisten.

Vielleicht war es überspitzt ausgedrückt und mit einer Prise Ironie versehen, aber es bleibt dennoch Fakt. Wenn wir alle kündigen, wenn wir nicht dafür sorgen, dass die Wirtschaft weiterläuft, während wir sie verändern, dann ist irgendwann wirklich keiner mehr da, der die handgeklöppelten Eierwärmer kauft. Und neben dieser ganzen Weltrettungstheorie bleibt ein weiterer Fakt. Oder vielleicht auch nur eine weitere Theorie: Wenn wir bei Schwierigkeiten nicht immer gleich die Flucht antreten, wenn wir nicht direkt Reißaus nehmen, sondern lernen, den Mund aufzumachen und die Umstände so zu verändern, dass sie zu uns passen, dann müssen wir uns auch nicht mehr verbiegen, um zu den Umständen zu passen. Und dann steigt auch die Chance, unser ganz persönliches Glück zu finden. Plan B (Dawanda-Strickshop) und C (Weltreise-Sabbatical) können wir immer noch in der Hinterhand behalten. Für den Fall, dass wir uns den Mund fusselig geredet und die Füße beim Präsentieren von Lösungsansatz A-Z wundgetanzt haben und sich trotzdem keiner dafür interessiert.

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